Es wächst, gedeiht und grünt – jetzt spricht der Experte

Ionut Huma von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten hat uns unsere Fragen zu unserer ersten Pflanzfläche beantwortet. Vielen Dank dafür! Irgendwelche Setzling irgendwo einpflanzen und warten? So einfach ist es dann doch nicht...

Wie hat sich unsere erste Pflanzfläche in Nindorf aus fachlicher Sicht entwickelt? Wir haben mit Ionut Huma von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten gesprochen. Bei unserem Besuch zeigte sich, wie erfolgreich sich die Fläche bereits entwickelt hat. Im Gespräch mit ihm wird aber auch deutlich: Der Erfolg einer Aufforstung ist keineswegs selbstverständlich. Denn gleichzeitig stehen die Wälder durch den Klimawandel vor immer größeren Herausforderungen.

Eine Fläche, die sich prächtig entwickelt hat

Das Wetter hat zwar auch mitgespielt – aber die Fläche ist trotzdem ein Statement für sich, finden wir!

Wenn Ionut Huma heute auf die gemeinsam angelegte Fläche blickt, fällt sein Fazit eindeutig aus: „Wie man sehen kann, hat sich die Fläche in den letzten sechs Jahren prächtig entwickelt. Besonders Eichen, Ahorne, Winterlinden, Flatterulmen und Roterlen haben sich gut etabliert.“ Darüber freut er sich besonders, denn ob eine Aufforstung langfristig gelingt, lässt sich nie garantieren.

Wenn der Wald durstig wird

Der Klimawandel ist längst im Wald angekommen. Nicht abstrakt, nicht irgendwann – sondern spürbar im Alltag der Försterinnen und Förster in Schleswig-Holstein. Hitze, Trockenheit und extreme Wetterlagen verändern die Wälder Schritt für Schritt. „Die Durchschnittstemperaturen sind bereits um rund 1,5 Grad gestiegen“, sagt Huma. Was nach einer Zahl klingt, hat Folgen, die sich im Wald direkt zeigen: mehr Verdunstung, weniger verfügbares Wasser, gestresste Bäume.

Vor allem junge Bäume geraten schnell an ihre Grenzen. „Sie brauchen gleichmäßige Niederschläge. Wenn die ausbleiben, entstehen schnell Ausfälle“, so Huma. Bei älteren Bäumen verläuft der Prozess leiser – aber nicht weniger ernst. Die Vitalität sinkt. Und mit ihr die Widerstandskraft. „Das macht die Bäume anfälliger für Schwächeparasiten wie Käfer und Pilze“, erklärt er. Der Wald wird verletzlicher. Im Südosten Schleswig-Holsteins lassen sich erste Spuren bereits erkennen: geschwächte ältere Bäume, erste Käferaktivität, etwa durch Eichenprachtkäfer oder Borkenkäfer. Noch sind die Schäden überschaubar – aber sie sind da.

Der stille Schutz: Mischwald

Während sich die Bedingungen verschärfen, zeigt sich ein entscheidender Vorteil besonders deutlich: Vielfalt. „Wir setzen auf strukturreiche Mischwälder mit höheren Laubbaumanteilen“, betont Huma. Und genau darin liegt ein stiller, aber wirkungsvoller Schutz. Denn Mischwälder reagieren flexibler. Sie brechen nicht so schnell zusammen, wenn sich Bedingungen verändern. Und sie brennen seltener und weniger intensiv. Kein Zufall: In den vergangenen zehn Jahren gab es auf den Flächen der Landesforsten keine nennenswerten Waldbrände. „Dort, wo in den letzten Jahrzehnten stabile Mischwälder aufgebaut wurden, sind die Schäden durch den Klimawandel bislang überschaubar geblieben“, betont Huma.

Auch die von bessergrün unterstützte Fläche werde sich langfristig zu einem solchen Mischwald entwickeln. Die naturnahe Bewirtschaftung sei aus seiner Sicht die beste Waldbrandvorsorge.

Neue Wälder für eine neue Zeit

Der Wald wächst nicht von allein in die Zukunft hinein. Er muss aktiv gestaltet werden – Baum für Baum. Die Neuwaldbildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Doch geeignete Flächen sind knapp, die Nachfrage groß. Umso wichtiger sind Partner und Unterstützung von außen. „Viele Sponsoren wie bessergrün helfen seit Jahren dabei, den Anteil an Laub- und Laubmischwäldern in Schleswig-Holstein zu erhöhen“, freut sich Ionut Huma. Ohne dieses Engagement wäre vieles langsamer oder gar nicht möglich.

Warum Vielfalt stärker macht

Im Mischwald greift ein Prinzip, das simpel klingt, aber entscheidend ist: Ausfall wird abgefedert. Wenn eine Baumart leidet, übernehmen andere ihre Funktionen. Der Wald bleibt stabiler – ökologisch und langfristig auch wirtschaftlich. „Artenreiche Wälder sind robuster“, sagt Huma knapp. Auch unter der Erde zeigt sich dieser Vorteil. Tief- und Flachwurzler teilen sich Ressourcen, statt sich gegenseitig zu verdrängen. „Die Kombination sorgt dafür, dass Wasser und Nährstoffe besser genutzt werden“, erklärt Huma.

Hier die wichtigsten Vorteile eines Mischwalds im Vergleich zu einer Monokultur auf einen Blick:

Der Wald wird neu gedacht

Neben neuen Flächen geht es auch um Veränderung im Bestand: den Waldumbau. Gleichförmige Bestände werden Schritt für Schritt in vielfältige Mischwälder überführt. Heimische Baumarten stehen dabei im Mittelpunkt. „Sie sind immer die erste Wahl“, unterstreicht der Experte. Welche Arten geeignet sind, hängt stark vom Standort ab – Boden, Wasser, Gelände, natürliche Entwicklung. Zu den heimischen Arten, die bei Erstaufforstungen eingesetzt werden, zählen beispielsweise Spitzahorn, Schwarzerle, Hainbuche, Rotbuche, Stieleiche, Winterlinde, Sommerlinde und Flatterulme. Mindestens 80 Prozent der Aufforstungen erfolgen mit standortheimischen Baumarten. Dies wird im Rahmen der FSC-Zertifizierung überprüft

Ergänzt werden sie punktuell durch seit Langem etablierte nicht heimische Baumarten wie Roteiche, Japanlärche, Küstentanne oder Douglasie. „Diese Baumarten haben sich seit über 100 Jahren in der Praxis bewährt und können stabilisierend wirken“, erklärt Huma.

Waldschutz ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft

Für Ionut Huma steht fest, dass der Erhalt und die Weiterentwicklung unserer Wälder uns alle betreffen:

„Erhalt und Entwicklung unserer Wälder mit all ihren Nutz- und Schutzfunktionen für uns und für kommende Generationen betreffen uns alle. Daher finde ich, dass es konsequent ist, wenn sich nicht nur die ‚hauptberuflichen Waldprofis‘, sondern alle Bürgerinnen und Bürger in irgendeiner Form für den Wald oder den Erhalt unserer Umwelt engagieren. Der Schutz und der Erhalt unserer Wälder sind aus meiner Sicht gesamtgesellschaftliche Aufgaben.“

Deshalb begrüßt er es ausdrücklich, wenn Unternehmen, Institutionen oder Vereine Verantwortung übernehmen – sei es durch Sponsoring, eine klima- und umweltfreundliche Unternehmensphilosophie oder auf andere Weise.„Ich finde es richtig gut, wenn sich auch Unternehmen, Institutionen oder Vereine für den Erhalt, die Mehrung und Weiterentwicklung unserer Wälder stark machen“, appelliert Huma.

Sechs Jahre gemeinsames Engagement

An die gemeinsame Pflanzaktion mit bessergrün erinnert er sich besonders gern zurück. „Mir persönlich hat es viel Spaß bereitet, mit den Mitarbeitenden von bessergrün diese mittlerweile sieben Jahre alte Waldfläche zu begründen“, erzählt er. Gemeinsam habe man dazu beigetragen, dass bessergrün „einen kleinen, aber dennoch nicht minder wichtigen Beitrag zum Klimaschutz im Land zwischen den Meeren“ leistet.

Stolz wie Bolle: Henning, der Großteil der Gründungsmitglieder des bessergrün-Vereins, und Steffen.

Sieben Jahre später zeigt sich: Aus einer Pflanzaktion ist ein lebendiger Mischwald entstanden. Gleichzeitig macht die Entwicklung deutlich, wie wichtig langfristiges Engagement, naturnahe Waldwirtschaft und die Zusammenarbeit vieler Akteure sind, um unsere Wälder fit für die Zukunft zu machen.

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