Gorden Isler aus Hamburg hat vor drei Jahren das bessergrün-Stipendium gewonnen.
Wir blicken zurück: Was ist aus dem bessergrün-Stipendium geworden? Welche Ideen sind gewachsen? Und was bleibt? Dazu haben wir unsere Stipendiaten Gorden Isler, Michael Rauch und Jan Müller interviewt.
Auf ein Wort mit Gorden
- Bessergrün ist für dich? Wie ein Leuchtturm.
- Dein größter Motivator? Verantwortung.
- Zukunft braucht? Zuversicht.
- Dein Lieblingsort in der Natur? Das Meer.
Gorden Isler ist Versicherungsmakler, ESG-Berater und Geschäftsführer der fairvendo GmbH in Hamburg. Seit vielen Jahren verbindet er Wirtschaft und Nachhaltigkeit – für ihn sind Nachhaltigkeitsaspekte seit 2017 der Kern seiner unternehmerischen Entscheidungen. „Nachhaltigkeit ist für mich kein Trend, sondern eine Überlebensstrategie“, macht er deutlich.
Als er sich für das bessergrün-Stipendium bewarb, war fairvendo intern bereits gut aufgestellt: freiwillige Berichterstattung nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex, CSE-Zertifizierung und nachhaltige Prozesse gehörten längst zum Alltag. Was fehlte, war die Sichtbarkeit: „Wir haben gute Arbeit gemacht, aber kaum jemand hat davon erfahren.“
Das Stipendium wurde deshalb mehr als eine finanzielle Förderung. Es bot Austausch, Vernetzung und die Möglichkeit, die eigene Entwicklung zu beschleunigen. Isler wollte sehen, wo andere Unternehmen stehen – und gleichzeitig die eigenen blinden Flecken erkennen.
Aus einer Förderung wird Bewegung
Mit der Unterstützung konnten Projekte umgesetzt werden, die sonst deutlich länger gedauert hätten: Die Website wurde weiterentwickelt, der Podcast FAIRstärkung entstand, Büromöbel wurden durch nachhaltige Holzmöbel ersetzt und der stationäre Server durch moderne Cloudlösungen abgelöst.
Doch die größte Veränderung lag nicht nur in den konkreten Projekten. Islers Blick auf die Rolle der Versicherungsbranche wurde größer: „Ich bin mit dem Fokus auf unser eigenes Unternehmen gestartet und habe im Laufe des Jahres verstanden, wie groß die Hebel der Branche insgesamt sind.“
Für ihn ist klar: Klimaschutz und Klimaanpassung müssen stärker Teil der Versicherungswirtschaft werden. Aufforstung und Renaturierung gehören für ihn ebenso dazu wie nachhaltige Beratung.
Besonders stolz ist er dabei auf sein Team. Alle Mitarbeitenden engagieren sich auf ihre Weise für Nachhaltigkeit – aus eigener Überzeugung. Die Nominierungen für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis und die Auszeichnung als Insurance Transformer 2024 zeigen: Der Weg wird wahrgenommen. Auch die durch das bessergrün-Stipendium entstandene Sichtbarkeit hat dazu beigetragen.
Vom skeptischen Beobachter zum Wald-Fan
Eine Entwicklung hätte Isler selbst vermutlich nicht erwartet: seine Beziehung zum Wald. Nach dem Meer ist dieser heute sein zweitliebster Ort.
„Früher habe ich die Idee belächelt, dass Versicherer Bäume pflanzen.“ Heute sieht er darin eine wichtige Maßnahme. Besonders geprägt haben ihn der Besuch der Waldakademie in Wershofen und später die Pflanzfläche in Nindorf. Dort wurde aus einer Idee etwas Greifbares: „Dort zu stehen und zu sehen, was aus einer Idee geworden ist, war ein besonderer Moment.“
Auch Begegnungen bleiben ihm in Erinnerung. Etwa ein gemeinsamer Abend mit Frederick Waller: „Ein Mensch, den ich gern früher kennengelernt hätte. Das war ein sehr lustiger Abend.“ Denn Nachhaltigkeit entsteht für Isler nicht nur durch Projekte, sondern auch durch Menschen und Verbindungen.
Gemeinsam mehr bewegen
Heute bedeutet bessergrün für Isler vor allem eines: ein Netzwerk von Menschen, die Verantwortung übernehmen. „Versicherer, Vermittlerinnen und Vermittler können gemeinsam mehr bewegen als jede und jeder für sich.“
Dabei beobachtet er kritisch, dass Nachhaltigkeit in Teilen der Branche weniger sichtbar kommuniziert wird. Für ihn bleibt Vernetzung der entscheidende Hebel: „Würde die Versicherungswirtschaft das nicht selbst glauben, gäbe es keinen Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, der im Vergleich zu allen anderen Lobbyverbänden in Deutschland der stärkste ist.“
Die wichtigste Erkenntnis der vergangenen Jahre? „Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für mehr Wirkung.“
Zukunft braucht Zuversicht
Was ihn antreibt, wenn Herausforderungen groß werden? Zuversicht. Seine Tochter und Erfahrungen aus dem Ehrenamt helfen ihm, schwierige Situationen einzuordnen: „Ich habe Situationen erlebt, die deutlich schwerer wiegen als ein zäher Arbeitstag. Das relativiert vieles.“
Seine Haltung ist klar: „Aufgeben ist keine Option, solange man wirksam sein kann. Man wirkt bis zum letzten Tag.“
Für die Zukunft möchte Isler nachhaltige Beratung aus der Nische holen und zeigen, dass Wirtschaftlichkeit und Haltung zusammengehören. Mit fairvendo, seinem Podcast FAIRstärkung, seiner Kolumne bei procontra, seinem Engagement bei ökofinanz-21 und weiteren Projekten setzt er diesen Weg fort. Auch künstliche Intelligenz sieht er als Chance – wenn sie dem Menschen dient und nicht umgekehrt.
Seine Botschaft an die Branche: Wer Menschen über Jahrzehnte begleitet und ihnen hilft, für ihre Zukunft vorzusorgen, braucht selbst ein positives Zukunftsbild. „Wer selbst keine positive Zukunft sieht, kann niemanden überzeugen, für sie zu sparen und vorzusorgen. Das widerspricht sich.“ Denn: „Zuversicht ist kein naiver Optimismus. Sie ist die Grundlage unseres Geschäftsmodells.“
„Es gibt also viel zu tun“
Drei Jahre später zeigt sich: Das bessergrün-Stipendium war für Gorden Isler weit mehr als eine finanzielle Förderung. Es war ein Vertrauensvorschuss – und ein Impuls, der aus einer Idee mehr Sichtbarkeit, mehr Vernetzung und mehr Wirkung entstehen ließ.
Doch vielleicht ist die wichtigste Veränderung eine andere: Aus dem Blick auf das eigene Unternehmen ist der Blick auf das große Ganze geworden. „Es geht nicht mehr nur darum, das eigene Unternehmen nachhaltig aufzustellen. Es geht darum, das große Ganze anzugehen, sich zu vernetzen und die Branche als Ganzes zu bewegen.“
Zuversicht bedeutet dabei nicht, die Herausforderungen kleinzureden. Sie bedeutet, trotz allem ins Handeln zu kommen. Genau darin liegt die Kraft von Menschen wie Gorden Isler: Sie warten nicht darauf, dass Veränderung passiert. Sie machen sich auf den Weg – mit Haltung, Verantwortung und der Überzeugung, dass Zukunft gestaltbar ist.

Unsere bessergrün-Stipendiaten beim Besuch unserer ersten Pflanzfläche in Nindorf im Mai 2026 (v.l.n.r.): Jan Müller, Michael Rauch und Gorden Isler.
Das bessergrün-Stipendium
Mit dem bessergrün-Stipendium begleiten wir Versicherungsmaklerinnen und Versicherungsmakler auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Das Programm richtet sich an Menschen, die ökologische und soziale Verantwortung stärker in ihren Arbeitsalltag integrieren und ihre Ideen gezielt weiterentwickeln möchten. Neben einer finanziellen Förderung von 25.000 Euro profitieren die Teilnehmenden von fachlicher Begleitung, praxisnahen Workshops und dem Austausch mit einem Netzwerk engagierter Branchenkolleginnen und -kollegen. So entstehen konkrete Projekte, die zeigen, wie nachhaltiges Handeln im Maklerbüro erfolgreich umgesetzt werden kann.