Ein deutscher Wald, stark gezeichnet: trocken, trübe, traumatisiert.
Was Hitze, Trockenheit und Starkregen für Deutschlands Wälder bedeuten
Bäume erleben diese Wetterextreme nicht als einzelne Ereignisse. Für sie zählt, was dazwischen passiert: Wie lange bleibt der Boden trocken? Wie stark ist die Hitze? Und reicht die Zeit zwischen zwei Extremen überhaupt noch aus, damit sich ein Wald erholen kann? Genau diese fehlenden Erholungsphasen werden zunehmend zum Problem.
Denn längst geht es nicht mehr nur um einzelne außergewöhnlich warme Sommer. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zeigt in seinem Faktenpapier „Was wir über Extremwetter in Deutschland wissen“, dass sich Deutschland seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen bereits um rund 2,5 Grad Celsius erwärmt hat – und damit etwa doppelt so stark wie der globale Durchschnitt.
Die Jahre 2022, 2023 und 2024 gehören zu den wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen in Deutschland. Seit den 1970er-Jahren war jede Dekade wärmer als die vorherige. Diese Entwicklung verändert auch unser Wetter: Hitzewellen treten häufiger auf, dauern länger und erreichen höhere Temperaturen.
Die vergangenen Wochen haben diese Entwicklung erneut sichtbar gemacht: Der DWD warnte Ende Juni vor einer länger anhaltenden Hitzewelle mit teils extremer Wärmebelastung. Gleichzeitig führten ausbleibende Niederschläge vielerorts zu zunehmender Trockenheit und einer höheren Waldbrandgefahr.
Einen wichtigen Blick auf den Zustand unserer Wälder liefert das Thünen-Institut. Die Forschenden begleiten die Waldzustandserhebung wissenschaftlich und untersuchen, wie Hitze, Trockenheit und andere Klimafolgen die Widerstandskraft der Wälder beeinflussen. Ihre Ergebnisse zeigen, vor welchen Herausforderungen Deutschlands Wälder heute stehen.
Was beispielsweise bei einem aktiv Waldbrand zu tun ist, kann hier nachgelesen werden.
Trockenheit beginnt lange vor den ersten braunen Blättern
Wenn wir im Sommer braune Baumkronen oder abgestorbene Äste sehen, hat der eigentliche Schaden oft schon lange vorher begonnen. Bleibt Regen über längere Zeit aus, trocknen die Böden aus. Die Wurzeln können nicht mehr genügend Wasser aufnehmen, Wachstum und natürliche Abwehrkräfte nehmen ab. Besonders problematisch: Dieser Stress verschwindet nicht automatisch mit dem nächsten Regenschauer – viele Bäume tragen die Folgen trockener Jahre über lange Zeit mit sich.
Genau das macht die aktuelle Situation so schwierig: Wälder können sich an Veränderungen anpassen – aber nur, wenn sie dafür ausreichend Zeit bekommen.
Das Umweltbundesamt warnt deshalb ganz deutlich: „Es ist davon auszugehen, dass Ausmaß und Geschwindigkeit des Klimawandels an vielen Orten die natürliche Anpassungsfähigkeit von Baumarten erheblich überfordern wird.“
Dabei ist die Fichte, die mit einem Anteil von rund 25 Prozent immer noch die häufigste Baumart Deutschlands ist, besonders gefährdet. Ein weiterer Grund, wieso Mischwälder essentiell sind!

Diese und weitere, interaktive Graphiken zu den Ergebnissen der bundesweiten Waldzustandserhebung, begleitet durch das Thünen-Institut für Waldökosysteme, finden sich hier.
Erholung durch den lang ersehnten Regen? Leider ein Trugschluss
Nach langen Trockenperioden wirkt Starkregen zunächst wie die dringend benötigte Rettung, doch für ausgetrocknete Böden ist viel Wasser in kurzer Zeit nicht unbedingt hilfreich. Trockene Böden können Niederschläge schlechter aufnehmen. Das Wasser läuft aufgrunddessen schneller oberflächlich ab, anstatt tief in den Boden einzudringen und die Wasserspeicher des Waldes wieder aufzufüllen.
Das bedeutet: Nicht nur zu wenig Wasser ist ein Problem. Auch die Art und Weise, wie Niederschlag fällt, verändert die Bedingungen für unsere Wälder. Hitze, Trockenheit und Starkregen stehen deshalb nicht unabhängig voneinander. Sie sind Teil einer Entwicklung, die unsere Ökosysteme vor neue Herausforderungen stellt. Ein gesunder Baum besitzt viele natürliche Schutzmechanismen. Doch anhaltender Trockenstress kostet Energie, immer wieder.
Die aktuelle Waldzustandserhebung zeigt weiterhin ein deutliches Bild: Deutschlands Wälder stehen unter erheblichem Druck. Hitze, Trockenheit und Schädlinge hinterlassen sichtbare Spuren und können schlussendlich zum Absterben der Bäume führen.
Was können wir selbst tun?
Bei bessergrün verstehen wir Nachhaltigkeit nicht als kurzfristigen Trend, sondern als langfristige Verantwortung. Denn der Wald ist weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Er bindet Kohlenstoff, schützt Böden, speichert Wasser, schafft Lebensräume und trägt dazu bei, Temperaturen in seiner Umgebung zu regulieren. Gerade in Zeiten zunehmender Hitze wird seine Bedeutung als natürlicher Klimaschützer immer wichtiger.
Vielleicht nehmen wir viele dieser Leistungen erst wahr, wenn sie fehlen. Der Schutz unserer Wälder ist deshalb nicht nur Naturschutz – er ist auch aktiver Klimaschutz.
Die Herausforderungen sind groß. Aber Veränderung beginnt oft mit kleinen Entscheidungen. Bewusster mit Ressourcen umgehen, nachhaltiger konsumieren, Energie sparen oder Projekte unterstützen, die unsere Umwelt schützen – all das sind Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen.
Der Zustand unserer Wälder zeigt nämlich deutlich, wie eng Klimaveränderungen und unser eigenes Handeln miteinander verbunden sind. Deshalb unterstützen wir Projekte, die dazu beitragen, natürliche Lebensräume zu erhalten und widerstandsfähiger zu machen – denn jeder Wald, der geschützt und gestärkt wird, ist ein Gewinn: für die Artenvielfalt, für das Klima und für die Menschen, die heute und morgen auf eine intakte Natur angewiesen sind.
Waldschutz ist auch Risikoschutz
Warum setzt sich ein nachhaltiger Versicherer für den Schutz unserer Wälder ein? Weil Klimaschutz und Vorsorge zusammengehören.
Intakte Wälder sind mehr als wertvolle Lebensräume: Sie speichern Wasser, schützen Böden vor Erosion und können dazu beitragen, die Folgen von Starkregen, Hitze und Trockenheit abzumildern. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Prävention – also dazu, Schäden möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen.
Die Überschwemmungen im Ahrtal 2021 haben gezeigt, wie gravierend die Folgen extremer Wetterereignisse sein können. Wälder können solche Ereignisse nicht verhindern, aber ein widerstandsfähiger Naturraum kann helfen, Landschaften besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen.
Für Versicherer bedeutet Verantwortung deshalb mehr als Schadensregulierung. Es geht auch darum, Risiken frühzeitig zu erkennen und dort anzusetzen, wo Prävention möglich ist. Der Schutz und die Wiederherstellung geschädigter Wälder sind deshalb ein wichtiger Baustein, um unsere Umwelt und Gesellschaft langfristig widerstandsfähiger zu machen.
Der Blick in unsere Wälder zeigt, wie sichtbar sich die Folgen des Klimawandels bereits heute auswirken. Umso wichtiger ist es, Verantwortung zu übernehmen – durch Prävention, nachhaltiges Handeln und den Schutz natürlicher Lebensräume. Für Unternehmen sind resiliente Ökosysteme und ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen wichtige Voraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaften und eine zukunftsfähige Entwicklung.